Vorhang auf

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Staatsschauspiel Dresden Protagonistin Marlene Burow im Gespräch
German actors and actresses often start their careers in theater and then move on to the movies. Born in Berlin in 2000, Marlene Burow is the exception to that rule. For Marlene, the movies came first: among others, In einem Land, das es nicht mehr gibt – a movie in which she starred in the leading role of Suzie Schulz, a GDR mannequin. Or the movie Silent Friend, in which she played alongside our ACHTUNG 50 cover star Luna Wedler. We visited her in the legendary Staatsschauspiel Dresden, where she is currently on stay for the next two years and where we were given all-access to the stages and behind to show her in the last studio collection of Chanel, which was Fall Winter 2025.

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ACHTUNG: Du bist es gewohnt, beruflich vor der Kamera zu stehen – allerdings meist als jemand anderes. Wie ist es für Dich, wenn nicht Deine Rolle im Mittelpunkt steht, sondern Du selbst?
Marlene Burow: Mhh, schwierige Frage… Es gibt ja den Mittelpunkt als öffentliche Person, wenn ich als Schauspielerin zum Beispiel auf einer Premiere bin. Und dann gibt es den Mittelpunkt als Privatperson, zum Beispiel zum eigenen Geburtstag. Mein „öffentliches“ Ich ist auf jeden Fall noch nicht so locker, und ich fühle mich definitiv wohler in der Arbeit, oder privat, als wenn ich zu dieser komischen Projektionsfläche werde, die zwar suggeriert, dass ich – Marlene Burow – es bin, aber trotzdem stellenweise von Hemmungen geprägt ist und nicht wirklich in allen Facetten wahrgenommen werden kann. Ich habe noch nicht ganz rausgefunden, wie ich bei mir bleibe und dabei nicht ganz so angespannt bin. Zum Geburtstag allerdings freue ich mich auch mal, wenn ich da im Mittelpunkt stehe. Da sind ja meine liebsten Menschen, mit denen ich ein Leben teile, die mich kennen, vor denen muss ich nichts erklären oder „funktionieren“.
ACHTUNG: Als Schauspielerin schlüpfst Du täglich in verschiedene Rollen. Wie viel von Dir selbst steckt in ihnen?
Marlene Burow: Ich glaube, dieses „selbst“ ist immer der eigene Kern, den man mitbringt. Jede Figur ist unterschiedlich, aber ich kann sie nur so spielen, wie ich sie aus meinem Verständnis, meiner Empathie und meinem Wesen heraus begreife. Das Handwerk formt die Äußerlichkeiten und hilft mir, spielerische Hürden zu überwinden oder neue Sachen auszuprobieren, aber ich glaube, der Kern einer Figur ist immer geprägt durch den eigenen persönlichen Kern. Eine Figur, die auf einem Blatt geschrieben ist, kann von hundert unterschiedlichen Menschen gespielt werden, und sie wird immer anders wirken, weil wir alle einen anderen Kern mitbringen, auch wenn die Figur auf dem Blatt Papier unverändert bleibt. Ich glaube auch daran, dass sich Schauspieler:in und Figur irgendwie immer finden. Wenn ich eine Rolle nicht bekomme, denke ich, das hat schon seinen Sinn. Das soll nicht sein, und wenn ich sie bekomme, ist es genau die richtige Zeit, weil ich vielleicht genau mit diesen Themen der Figur etwas anfangen kann, oder weil die Herausforderung gerade genau die richtige ist.

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ACHTUNG: Gibt es Rollen, die Dich länger begleiten als andere – und welche, die Du schnell wieder loslassen möchtest?
Marlene Burow: Ich glaube, Figuren begleiten mich länger, wenn ich das Gefühl habe, ich habe etwas liegen gelassen. Als ob ich ihr noch etwas schuldig wäre. Sowas hält mich wach. Es gibt Szenen, die habe ich vor drei, vier Jahren gedreht und die treiben mich immer noch umher. Wenn die Figuren von starkem Schmerz geprägt sind und ich das durchleben musste, brauche ich Zeit, um das zu verarbeiten. Meistens überwiegt die Freude über das Erlebte, das große Ganze und das zu sich selbst zurückzukommen. Dann kann ich gut abschließen. Es gibt aber definitiv einen Platz in meinem Herzen für bestimmte Figuren, und ich muss immer mal an sie denken. Im Theater ist das Loslassen natürlich ganz anders. Da kann ich ja immer wieder rein und neue Sachen ausprobieren, und wenn’s mal nicht so gut lief, weiß ich: nächste Woche einfach nochmal. Da ist es auch leichter, kurz vorher reinzuschlüpfen und mit dem Abgang von der Bühne rauszukommen. Der Applaus und das Verbeugen am Ende jeder Vorstellung ist auf eine gewisse Art und Weise auch ein Ritual des wieder Loslassens.
ACHTUNG: Sowohl Mode als auch Schauspiel spielen mit Verwandlung. Gibt es für Dich einen Unterschied zwischen Kostüm und Kleidung? Worin fühlst Du Dich wohler?
Marlene Burow: Kostüm ist ganz klar Teil der Figur und eigene Kleidung sehr persönlich. Ich würde nicht alles privat tragen, was meine Figuren tragen, aber es hilft mir einzutauchen. Kostümproben sind meistens der Moment, wo ich die Figur zum ersten Mal richtig spüre. Ein Kostüm kann meine komplette Haltung verändern, von der Körperlichkeit über die Stimme bis hin zum Wesen der Figur. Das ist immer wieder erstaunlich, wie viel Kleidung ausmacht. In meiner eigenen Kleidung fühle ich mich aber wohler. Ich habe diese drei Pullover oder Jacken, wo alle meine Freunde sagen: Das ist Marlene. Ich denke oft nicht so viel darüber nach, was ich trage. Zumindest im Alltag nicht — am Theater, da ist meistens nur Zeit für die bequemste Jeans und das nächstbeste T-Shirt. Aber Erholung bedeutet schon auch, sich schöner Kleidung zu widmen, sich in einen anderen Gemütszustand zu bringen.


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Jacket, skirt, hat and gloves CHANEL F/W 2025. Gold mask by costume designer Adriana Braga Peretzki

Total look CHANEL F/W 2025
ACHTUNG: Theater ist immer im Moment, im Film wird er festgehalten. Was reizt Dich mehr?
Marlene Burow: Beide Formen haben ihren Reiz und ich muss sagen, die Frage ist wahrscheinlich die größte, die ich mir dieses Jahr stellen muss. Ich habe die letzten eineinhalb Jahre meine Theatererfahrungen am Staatsschauspiel Dresden gesammelt und Theater lieben gelernt. Meine Zeit in Dresden neigt sich allerdings langsam dem Ende. Ich habe mit Film angefangen und ich liebe Film, das Medium und auch meistens die Momentaufnahme des kleinen, naturalistischen Spiels. Theater ist skrupelloser, da geht’s nur um den direkten Austausch, den Moment. Da gibt es keinen Schnitt, der dir den Arsch rettet, wenn du einen schlechten Tag hast. Jeder Satz steht für sich, da gibt’s keine drei Einstellungen und Wiederholungen. Es ist sehr viel größer, da kannst du auch einfach mal Blödsinn machen. Das kann unangenehm sein, aber das verkraftet ein Theaterabend auf jeden Fall mehr als ein Film. Das ist schon sehr besonders und da können tolle Momente entstehen. Es gibt wochenlange Proben und du hast den Raum, mehr auszuprobieren und nachdem du dich mal irrst auch noch woanders anzukommen. Das ist beim Film so nicht möglich, aber es ist einfach auch schön eine Figur in ihrer Natürlichkeit zu leben: In kleinen und großen Momenten über Wochen hinweg und sie dann auch wieder gehen zu lassen. Meistens habe ich beim Film ja auch die Entscheidungsfreiheit, welchen Geschichten ich mich widmen möchte. Im Theater wird einem das ja eher vorgesetzt und es gibt auch die Momente wo ich denke: Oh Gott was machen wir hier. Ich muss sehen, wo es mich nach dem Sommer hintreibt. In meiner Wunschvorstellung mache ich danach auch weiterhin Theater und Film.
ACHTUNG: Du bist in Berlin aufgewachsen, einer Stadt, die einem viele Freiheiten bietet. Wie hat das Aufwachsen dort Deinen Umgang mit den Rollen geprägt, die Du spielst?
Marlene Burow: Ich glaube, jede:r hat individuelle Berlin-Erfahrungen und für jede:n bedeutet Berlin etwas anderes. Für mich ist das einfach Heimat. Ich glaube, dementsprechend hat mich eher das persönliche Umfeld geprägt, meine Freundschaften, meine Familie. Obwohl ich an der Schauspielschule in Leipzig das erste Mal gehört habe, dass ich eine Berliner Schnauze habe. Das ist vielleicht dem Strang der alteingesessenen Berliner väterlicherseits zu verdanken. Was auch immer das für meine Rollen bedeutet… Bestimmt gibt es aber auch Berlin-Prägungen: Offenheit für Menschen, viele unterschiedliche Geschichten, die in dieser Stadt zusammenkommen und ein bisschen mehr Selbstverständlichkeit gegenüber dem Wahnsinn, die mein Rollenverständnis und das Interesse an Figuren geprägt haben.

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