Please meet Cécile Feilchenfeldt
Die Strickkünstlerin im Gespräch mit ACHTUNG
December 23, 2024

Feilchenfeldt kam durch den Kauf ihrer ersten Strickmaschine schnell zu ihrer eigentlichen Berufung, die in ihrem O-Ton etwa so begann: „Also mein Pass ist schweizerisch, aufgewachsen bin ich in München. Nach dem Abi zurück in die Schweiz fürs Textildesignstudium in Zürich, Brunschwig-Preis gewonnen, selbstständig gemacht, kurzer Schlenker ins Theater und Umzug nach Paris anno 2000, zurück ins Atelier und an meine Strickmaschine, bei der Première Vision mitgemacht, Leute kennengelernt und seit 2012 konsequent „das Gleiche“ was ich jetzt so mache.“
„Das Gleiche“ übersetzt heißt: Stricken. Und zwar für Balenciaga, Dior, Schiaparelli, Louis Vuitton. Unter anderem. Das Ganze läuft aber etwas anders ab, als es klingt. Keine Massenware, 200 Meter Schlauch gibt’s nicht. Das könne sich sowieso niemand leisten. Feilchenfeldt entwickelt in ihrem Pariser Atelier im 15. Arrondissement Textil, füllt damit ihr Portfolio, oder einen Sack, wie sie selbst sagt und geht auf Termine. Zum Beispiel bei Daniel Roseberry, Nicolas Ghesquière oder Armani. Feilchenfeldt bestimmt also quasi schon vorab, was mal am Laufsteg präsentiert wird. Der Prozess dahin sieht natürlich für jeden ihrer Kund:innen anders aus. Was ist mit dem Stoff möglich (Botter)? Wie eng kann die Taille werden (Schiaparelli)? Wie breit die Schulter (Balenciaga)? Aber da hat Feilchenfeldt mittlerweile das Gespür dafür, mit was sie ihren Sack vor jedem Termin füllt. Macht ja auch Sinn. Designer wie Ghesquière arbeiten ja auch für Louis Vuitton. Feilchenfeldt schlüpft dann eben in die „Wir für Ghesquière für Louis Vuitton“-Denke. Oder es läuft ganz anders. „Vor ein paar Monaten hat Courréges mich für die Frühjahr/Sommer-2025-Show angerufen und ganz klar nach etwas gefragt, von dem sie noch gar nicht wussten, dass sie es wollen. Mach uns mal einen Vorschlag. Diese Perlen brauchen wir. Tob dich aus.“ Um Kommerz geht’s also nie bei Feilchenfeldt. „Die Häuser freuen sich ja auch darüber, wenn wir ihnen etwas abnehmen. Die suchen nach etwas Frischem, und vor allem nach etwas, was sie selbst technisch und handwerklich gar nicht umsetzen können. Das ist unsere Vision, kein Lieferant zu sein. Sondern zu begleiten. Wir sind nicht wie die etlichen Ateliers, die zu den Modewochen ins Chaos verfallen, sondern wir sind von Anfang dabei. Wir bieten mittlerweile den Service an, dass wir das Kleid dann auch zusammennähen, nachdem wir es heruntergestrickt haben. Auch weil wir die sind, die den Stoff am besten kennen.“
In der Zeit, in der Feilchenfeldt nicht mit anderen Häusern zusammenarbeitet, entwickelt sie. Forscht sie könnte man fast sagen. Samples, die in den Terminen zum Beispiel keine Beachtung bekommen, entwickelt sie weiter. Macht sie größer. Verbessert sie. Eines ihrer Projekte heißt „Knitted Jewelry Project“. Das ist wichtig, wenn man auf Messen geht, weiß sie. Da braucht es ein eigenes Produkt für die herumschleichenden Headhunter. So wie damals 2012. Ihre erste Ausstellung auf der Messe Première Vision führte zu drei Kleidern für die Haute-Couture-Kollektion von Raf Simons für Dior, zugleich auch ihr erster Schritt in die Haute Couture, direkt Top-Level. Und auf dem ist sie seither geblieben.— Alexander Rottenmanner

